[DAP hasAccessTo=”3,9″ errMsgTemplate=”SHORT”]In der letzten Lektion haben wir uns gefragt: Wie bringt ein erfolgreicher Geschäftsmann Gier und Angst so weit unter Kontrolle, dass sie ihn nicht kontrollieren?
Hier die Antwort:
Indem er sie sich bewusst macht und sie hinterfragt.
Der Gier kommt man gut bei, indem man für ein paar Augenblicke seinen gesunden Menschenverstand benutzt.
Nicht jede Angst ist auch begründet! Man kann Ängste abbauen, dadurch, dass man sich mit ihnen bewusst auseinander setzt, ihnen auf den Grund geht. Indem man ihnen, genau so wie der Gier, logische Argumente gegenüberstellt.
Das wichtigste Argument ist:
Gewinnen und Verlieren gehören zum Geschäft
Aus dem einfachen Grund: Weil es keine absolute Sicherheit gibt! Nicht im Privatleben und auch nicht im Geschäftsleben. Es gibt keine „Gelddruckmaschine“, kein „todsicheres Geschäftsmodell“, keine „hundertprozentige Erfolgsgarantie“. Genauso wenig, wie es ein Perpetuum mobile gibt. Deshalb muss man das Risiko zu Verlieren als notwendigen Teil des Geschäftes akzeptieren. Genau so, wie man die Chance zu Gewinnen bei einem Geschäft in Kauf nimmt.
Ein echter Geschäftsmann versucht gegenüber beidem eine möglichst neutrale Haltung einzunehmen, indem er falsche Denkmuster überwindet! Nur so kann er beides objektiv beurteilen und gegeneinander abwiegen.
Sind Sie sicher?
Schon als Kinder haben die meisten von uns gelernt: „Sicher ist sicher!“ Später kam dann hinzu: „Mache erst mal eine ordentliche Ausbildung und such Dir einen sicheren Job.“
Stellen Sie sich einmal vor, Sie wollen ein neues Projekt, eine neue Geschäftsidee bewerten. Mit solchen Überlegungen fängt eine Existenzgründung ja meist an. Ich gebe Ihnen einmal einige durchaus übliche Frage-Varianten zur Auswahl:
- „Wie hoch ist das Risiko mit dieser Geschäftsidee zu scheitern?“
- „Wie hoch ist die Chance, dieses Projekt umzusetzen?“
- „Wie sicher ist es, dass diese Idee überhaupt funktioniert?“
- „Kann man mit dieser Idee wirklich Geld verdienen?“
Auf den ersten Blick sind das alles wichtige und nachvollziehbare Fragen, die man sich doch am besten immer vor einer Investition stellen sollte. Richtig, aber es gibt hier zwei verschiedene Ansätze, Ausgangspunkte.
Bei Frage 1 und 3 stehen das Risiko/die Sicherheit im Mittelpunkt. Bei Frage 2 und 4 die Chance/die Erfolgswahrscheinlichkeit. Merken Sie etwas: Die ersteren sind negativ besetzt, tragen die Angst vor dem Verlust/dem Scheitern schon in sich. Die Letzteren zielen auf die Chancen, die Möglichkeiten, die Erfolgsaussichten einer Idee ab. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt kann man zwei völlig unterschiedliche, ja gegensätzliche Herangehensweisen feststellen.
Man kann jetzt aber auch argumentieren, Erstere würden eben mehr Wert auf Sicherheit legen und sich nicht in irgendwelche waghalsigen Geschäftsideen stürzen. Aber wenn Sie genau hinsehen, dass würden die anderen auch nicht. Diese versuchen genauso herauszufinden, ob eine Idee tatsächlich Erfolg versprechend oder einfach nur riskant und unüberlegt ist. Man kann anhand dieser Fragen die einen nicht als die gut Überlegenden und die anderen als die Leichtfertigen hinstellen.
Leichtfertig sind die Menschen, die sich die oben stehenden Fragen erst gar nicht stellen, sondern einfach blindlings ihren Gefühlen oder Wunschträumen bzw. diesbezüglichen billigen Marketing-Sprüchen folgen.
Diese zwei Gruppen deuten auf die zwei grundlegend unterschiedlichen Eigenschaften von Menschen hin, was die Beurteilung von Chancen und Risiken angeht. Nicht nur bei Existenzgründungen, sondern im ganzen Leben. Es lassen sich tatsächlich verschiedene Einstellungen zu diesen Dingen herauskristallisieren, verschiedene „Risikotypen“, wenn man so will.
Diese unterschiedlichen Einstellungen bewirken ein unterschiedliches Herangehen (oder auch Nichtherangehen) an Ideen und Projekte und sind deshalb von grundsätzlicher Bedeutung für den geschäftlichen Erfolg. Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man ängstlich, mit dem (manchmal schon fast zwanghaften) Focus auf dem Sicherheitsaspekt (Verlustangst!) an ein Geschäft herangeht oder mutig, mit dem Hauptaugenmerk auf den Chancen eines Projektes! Das ist ein elementarer Unterschied.
Ich behaupte sogar: Das ist der entscheidende Unterschied, der letztendlich den Erfolg oder auch Misserfolg ausmacht! Warum bin ich mir da so sicher? Weil es im Geschäftsleben gerade keine Sicherheit gibt!
- Es gibt sie nicht, die todsichere Geschäftsidee!
- Es gibt sie nicht, die hundertprozentige Erfolgsgarantie!
Jeder, der die absolute Sicherheit im Geschäftsleben sucht, kann lange suchen. Manch einer sucht danach sein Leben lang! Er wird sie genau so wenig finden, wie den absolut sicheren Job oder die immer wieder versprochene sichere Rente.
Restrisikofreudigkeit – Sicher ist sicher!
Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man, wenn man heutzutage ein Geschäft gründen will, ein Zocker, Spekulant oder Unbedarfter sein muss. Im Gegenteil: Gerade mit dem Wissen, das jedes Geschäft ein gewisses Risiko in sich trägt, kann und muss man sich ganz genau überlegen, was man tut. Absolute Sicherheit gibt es zwar nicht, aber man kann versuchen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geschäft erfolgreich wird, so gut wie möglich abzuschätzen, den Erfolg so wahrscheinlich wie möglich zu machen, indem man die Risiken so gut es geht, auf ein vertretbares, aber nicht völlig zu vermeidendes Restrisiko minimiert.
Und nichts anderes tut ein guter Geschäftsmann! Wenn er sich für ein Projekt entscheidet, nimmt er bewusst das kalkulierte Restrisiko in Kauf, weil er es gegen die Chancen abgewogen und für sich vertretbar befunden hat. Diese Risikofreudigkeit, wie man es landläufig nennt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und wird auch geprägt durch die Erziehung und die Erfahrungen, die man in seinem Leben schon gemacht hat, aber ohne diese Risikofreudigkeit geht es nicht. Risikofreudigkeit ist eine grundlegende Einstellung, eine „Unternehmertugend“.
Man darf sie nur nicht mit Waghalsigkeit oder Blauäugigkeit verwechseln. Ein guter Unternehmer geht zwar immer auch ganz bewusst Risiken ein aber hat sich schon vorher auch Gedanken gemacht, was im schlechtesten Falle passieren würde und seine Risikobereitschaft danach ausgerichtet. Dann kann er eines mit Sicherheit vorhersehen: „Ab wann wird das Risiko zu groß, als das ich die schlimmsten Folgen meistern könnte.“
Und genau hier liegt die Grenze für das maximale Risiko. Einfach übersetzt auf einen Existenzgründer bedeutet das: „Ich kann so viel Geld in ein Geschäft investieren, wie ich auch verlieren kann.“ Das schließt nicht aus, auch einen Kredit aufzunehmen aber man muss dann dabei einkalkulieren, dass die Raten auch bei einem Scheitern des Projektes, (also ohne die erwarteten Zusatzeinnahmen aus dem neuen Geschäft!), noch bezahlt werden können. Eine solche Investition ist vielleicht riskant und man kann sich die nächsten 20 Jahre beim Ratenabzahlen über seine dumme Idee schwarzärgern, aber sie ist nicht spekulativ. Letzteres wäre es, wenn man zum Abzahlen des Kreditraten allein auf die zu erwartenden Einnahmen hofft.[/DAP]