Wie Sie einschränkende Glaubenssätze erkennen und Barrieren beseitigen
[DAP hasAccessTo=”3″ errMsgTemplate=”LONG”]Wenn es eine Herausforderung bei der Kundengewinnung gibt, die alle Selbständigen und kleinen Unternehmen gemeinsam haben, dann ist es die Innere Haltung bei der Akquise. Die kann entweder bremsen oder beflügeln. Beides mehr oder weniger stark.
Kaum jemand schwebt immer auf Wolke 7, wenn es um Akquise geht. Das muss auch nicht sein. Zum Problem wird die Innere Haltung immer nur dann, wenn Sie sich länger als nötig bremsen lassen. Wenn Sie zu tief feststecken und das Gefühl haben, einfach nicht weiterzukommen.
Was dann hilft:
Erkennen, wo Sie feststecken + sich befreien
Wenn Sie sich mit Ihrem Auto im Schnee oder Matsch festgefahren haben, kommen Sie nicht mehr vom Fleck. Es geht es nicht vor und nicht zurück. Eine sehr unangenehme Situation, für die Sie sofort nach einer Lösung suchen. Ihr Ziel: Das Auto befreien und weiterfahren.
Als Selbstständige kommen wir in ähnliche Situationen. Es geht nicht voran mit der Kundengewinnung. Der Umsatz könnte höher sein, die Arbeit erfüllender, die Work-Life-Balance stimmiger.
Warum packen wir das nicht an? Woran liegt es, dass wir manchmal für kurze oder lange Zeit feststecken?
Es gibt zwei Möglichkeiten:
1. Sachliche Herausforderungen
2. Emotionale Herausforderungen
Eine sachliche Herausforderung ist zum Beispiel die Frage, wie stelle ich ein Webinar auf die Beine, wenn ich das noch nie zuvor gemacht habe? Ich stecke erst einmal fest, weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Doch dann mache ich mich schlau, lese ein Buch dazu, belege einen Kursus oder hole mir externe Hilfe. Ich packe die nötigen Schritte an: Lernen, planen, umsetzen.
Beim ersten Webinar bin ich ein bisschen aufgeregt, aber freue mich auch über mein Debut. Ich habe für meine sachliche Herausforderung einfach eine Lösung gefunden.
Eine emotionale Herausforderung dagegen ist ein Gedanke oder Gefühl, das mich längere Zeit oder immer wieder feststecken lässt. Ich möchte eigentlich ein Webinar auf die Beine stellen oder denke, ich sollte es tun. Aber ich fange nicht damit an oder bleibe im Laufe des Prozesses (Lernen, Planen, Umsetzen) stecken. Es kommt immer wieder etwas dazwischen. Ich ahne, dass mich innere Barrieren davon abhalten, eine Lösung für die sachliche Herausforderung zu finden. Vielleicht ist es ein diffuses Gefühl von Lustlosigkeit oder der Gedanke: Das schaffe ich nicht, da wird sowieso niemand teilnehmen, das passt nicht zu mir und bringt alles nichts. Im Hintergrund nagt aber der Gedanke, dass ein Webinar oder ein Vortrag vielleicht doch eine tolle Sache sein könnten.
Was können wir tun, um uns vom Feststecken zu befreien?
Der erste Schritt besteht darin, zwischen sachlicher und emotionaler Herausforderung zu unterscheiden. Wichtig ist, ehrlich mit sich zu sein. Gedanken und Gefühle steuern das Verhalten eines jeden Menschen – und das oft unbewusst.
Innere Barrieren, die nicht erkannt werden, sind der größte Bremsfaktor in der Selbstständigkeit.
Wenn wir uns zu einem Verhalten motivieren wollen, das uns mehr oder besser passende Kunden gewinnen lässt, geht es sehr oft um emotionale Herausforderungen. In meiner Arbeit mit Selbstständigen, Inhabern kleiner Unternehmen und mit Leitern von Organisationen–und natürlich aus eigener Anschauung–wird mir eines immer klarer:
- Es gibt gute Gründe, weniger (oder nicht so gut passende) Kunden zu haben als möglich und eigentlich gewünscht ist.
- Und es gibt gute Gründe, weniger Geld einzunehmen als möglich und eigentlich gewünscht ist.
Auf der „eigentlich“-Ebene ist meist klar, was getan werden muss, um mehr Kunden zu gewinnen und mehr Umsatz zu machen. Eigentlich müsste ich …
Wahrscheinlich fehlen an einigen Stellen Know-how, Erfahrungswerte, was funktioniert und was nicht. Es braucht einen realistischen Zeitplan, Zulieferung von Unterstützung und ein Blick von außen. Das sind sachliche Herausforderungen, die einfach angepackt werden wollen. Der Verstand weiß Bescheid.
Und dann gibt es Gedanken und Gefühle, die dafür sorgen, sich nicht um genug Kunden und genug Umsatz zu kümmern. Zu den guten Gründen gehören zum Beispiel: Ich will Ablehnung und Zurückweisung vermeiden. Ich will nicht, dass andere über mich lachen. Ich will mich nicht blamieren. Ich will mich nicht aufdrängen und anbiedern. Ich will mich nicht ausgeliefert fühlen. Oder hilflos oder wertlos oder ungeliebt. Ich will nicht enttäuscht werden. Wenn ich der Meinung bin, dass ich diese schmerzhaften Gefühle nur vermeiden kann, indem ich auf bestimmte Aktionen verzichte, die mir mehr Kunden und Umsatz bringen könnten, ist es doch nur vernünftig, diese Aktionen zu vermeiden.
Das sind emotionale Herausforderungen, die angepackt werden können.
Einen Weg, mit emotionalen Herausforderungen umzugehen, stelle ich Ihnen jetzt vor:
Entwickelt wurde diese Methode von der Amerikanerin Byron Katie (Autorin des Buches „Lieben, was ist“. Es gibt auch eine deutsche Website – http://www.thework.com/deutsch/thework.asp – zu ihrem Ansatz. Ich habe ihn mit ihrem Einverständnis ein wenig abgewandelt, damit er sich besser für das Feststecken in der Selbstständigkeit eignet.
Die Methode beruht auf einem einfachen Fragenprozess, der es aber in sich hat, wenn Sie sich darauf einlassen. Es ist ein äußerst kraftvoller Prozess. Natürlich ist auch hier ein wenig Übung und Ausdauer gefragt.
Und so funktioniert es:
A. Wo stecken Sie fest?
Benennen Sie eine Situation, in der Sie feststecken. Zum Beispiel: Ich verschiebe es immer wieder, den Ankündigungstext für mein neues Angebot zu schreiben. Finden Sie den Glaubenssatz, der Sie feststecken lässt.
Fragen Sie sich: Was muss ich denken, um mich so zu verhalten?
Zum Beispiel: Ich muss denken, dass ich einfach kein Zeit habe / dass es schwierig ist, den Text zu schreiben.
Forschen Sie weiter. Vielleicht haben Sie wirklich gerade keine Zeit. Dann stehen Sie vor einer sachlichen Herausforderung: Wie / wann können Sie sich die nötige Zeit freischaufeln?
Oder Sie fragen sich, was muss ich denken, um den Text für schwierig zu halten? Vielleicht: Ich bin nicht talentiert genug. Oder: Es wird sich sowieso niemand für den Text interessieren. Oder: Ich bin nicht gut genug.
B. Formulieren Sie einen hinderlichen Glaubenssatz, den Sie untersuchen wollen.
Zum Beispiel: Ich bin nicht gut genug.
Jetzt stellen Sie sich nacheinander folgende Fragen:
1. Ist das wahr?
„Ich bin nicht gut genug.“ Ist das wahr? Antworten Sie schlicht mit Ja oder Nein
2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
„Ich bin nicht gut genug.“ Ist das 100prozentig wahr? Ja oder Nein?
3. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie diesen Gedanken glauben? Wie verhalten Sie sich, wenn Sie daran glauben?
„Ich bin nicht gut genug.“ Wie fühlen und verhalten Sie sich, wenn Sie das glauben?
Fragen Sie sich auch:
Welche Kosten zieht es nach sich, an diesen Satz zu glauben?
Welche Auswirkungen auf mich und andere bewirkt der Gedanke?
4. Wer wären Sie ohne den Gedanken?
Schließen Sie jetzt für einen Moment die Augen und spüren Ihren nächsten Einatem – und den nächsten Ausatem.
Wer wären Sie, wenn sich dieser Gedanke auf magische Weise einfach in Luft aufgelöst hätte. Wie würden Sie sich fühlen und verhalten?
Zu guter Letzt: Was wäre ein alternativer Gedanke?
Ist der umgekehrte Gedanke (ich bin gut genug) genau so wahr oder wahrer? Ist ein anderer Gedanke–zum Beispiel: Ich lerne das, hole mir Hilfe und schaffe es–genau so wahr oder wahrer?
Finden Sie ein, zwei Beispiele für Situationen, in denen Ihr alternativer Gedanke stimmte. Sicher haben Sie schon einmal etwas erfolgreich gelernt, in dem Sie anfangs nicht gut waren (zumindest als Baby laufen und sprechen :-).
Und jetzt? Welchem Gedanken wollen Sie Raum geben?
Worum es nicht geht:
Nicht um ein Überreden oder sich unter Druck setzen. Nicht darum, sich schnell einen Gedanken auszureden und Vorwürfe zu machen (ich sollte sowas nicht denken). Vielmehr geht es um Klärung, Licht in die Vorgänge bringen, sich bewusst machen, was geschieht. Sie können weiterhin den Text nicht schreiben, um im Beispiel zu bleiben. Aber Sie machen sich nicht vor, dass Sie der sachlichen Herausforderung nicht gewachsen sind. Sie können freier entscheiden, was Sie tun wollen. Mehr Handeln aus Wahl statt Handeln aus Gewohnheit oder wegen blinder Flecken. Ich habe festgestellt, dass es oft um Angst vor Ablehnung, aber auch um die Themen Hilflosigkeit, Wertlosigkeit geht.
Dieser Prozess kann eine ungeheuer befreiende Wirkung haben.
Gut möglich, dass Sie viele Gedanken damit bearbeiten müssen, um emotionale Herausforderungen immer leichter bewältigen zu können. Das macht ja nichts. Diese Selbsterforschung steht Ihnen jederzeit zur Verfügung.
Noch ein wenig zum Hintergrund der Methode: Aus meiner Sicht hat Byron Katie einen spirituellen Ansatz. Ihr geht es weniger um das Erreichen von Zielen, als vielmehr um tiefe Einsichten in unsere spirituelle Natur. Stichworte sind: Frei sein vom Ego, von Konzepten, von der völligen Identifikation mit Gedanken und Geschichten. Eintauchen in die Präsenz und das reine Sein. Gedanken sind einfach nur Gedanken. Wir können Sie füttern und ihnen Macht geben–oder auch nicht.
Pragmatischer und eher von der Psychologie ausgehend, ist die Botschaft der Kognitiven Verhaltenstherapie, die aber sehr ähnlich ist: Wir sind unseren Ängsten und Glaubenssätzen nicht hilflos ausgeliefert. Wir können uns immer wieder aufs Neue für hilfreichere Gedanken entscheiden.
Das läuft ähnlich ab:
1. Machen Sie sich Glaubenssätze, die Sie behindern, überhaupt erst einmal bewusst. Finden Sie den, der Sie gerade besonders bremst.
2. Überprüfen Sie die Gedanken und Schlussfolgerungen – sind sie angemessen, vollkommen wahr oder (etwas) übertrieben?
3. Welcher Gedanke könnte angemessener, zutreffender, korrekter sein?
Ich empfehle den ausführlichen Prozess nach Byron Katie anfangs in aller Ruhe schriftlich oder besser noch mit Begleitung durch eine andere Person durchzuführen. Gerne mehrfach und immer wieder.
Denn Feststecken ist keine Tragödie, sondern nur eine sachliche oder emotionale Herausforderung, die Sie einfach anpacken können.
! Ihre Aufgabe
1. Finden Sie heraus, wann Sie vor sachlichen Herausforderungen stehen und wann vor emotionalen—und entscheiden Sie, wie Sie damit umgehen wollen. Kommen Sie Ihren Bremsen auf die Spur.
2. Ergänzend oder stattdessen können Sie sich folgendes untersuchen: Welche Widerstände, Bedenken, Zweifel tauchen auf, wenn Sie daran denken, sich mit Ihrer Inneren Haltung zu beschäftigen? Oder aber: Was spornt Sie an und gibt Ihnen Kraft dafür?
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