Das Information overflow – Paradox
[DAP hasAccessTo=”3,9″ errMsgTemplate=”SHORT”]Dieser Information overflow raubt einem nicht nur kostbare Arbeitszeit, sondern kann einen regelrecht lähmen. Er kann Aufgaben, Projekte oder, ganz banal, die tägliche Arbeit verzögern oder gar lahmlegen, weil er das Treffen von Entscheidungen blockiert. Immer mehr Menschen fällt es aufgrund der vielen Informationen, die sie nicht mehr überblicken, geschweige denn verarbeiten können, immer schwerer, Entscheidungen zu treffen, weil sie sich einfach nicht mehr sicher sind, auch wirklich alle wichtigen Informationen bedacht zu haben.
Sie kommen nicht mehr an den Punkt, wo sie sagen: “Gut, dass ist stimmig, das passt. Wir fangen an!” Oder “Die Arbeit/das Projekt/der Auftrag ist fertig!” Immer bleibt das schwammige Gefühl, irgendetwas nicht bedacht zu haben. In der nächsten E-Mail, auf der nächsten Webseite, im nächsten Info-Produkt findet man garantiert Informationen, die man unbedingt noch braucht. Schlimmer noch, man meint etwas falsch zu machen, wenn man sie nicht hat!
Der Überfluss an Informationen führt paradoxerweise dazu, dass man glaubt, man habe nie genug Informationen.
Zwei Dinge kommen hier zusammen:
- Eine unbegrenzte Menge an verfügbaren Informationen.
- Eine begrenzte Menge an verfügbarer Zeit.
Versucht man die unbegrenzte Menge an Informationen in die begrenzte Menge an Zeit zu packen, entsteht unweigerlich Druck, der immer häufiger von immer mehr Menschen als Überforderung wahrgenommen wird. Deshalb versuchen sie Druck “abzulassen” indem sie die zur Verfügung stehende Menge an Zeit immer weiter auszudehnen. Überstunden, Arbeiten am Abend, am Wochenende, im Urlaub – aber selbst das wird niemals reichen alle Informationen zu verarbeiten.
Bestimmt kennen auch Sie Menschen in Ihrer Umgebung, die egal, wo sie stehen, gehen oder fahren, ständig nervös an ihrem Handy herumfummeln und Ihr Facebook-Profil mit Informationen, die die Welt nicht interessiert, zuspammen. Oder gehören Sie vielleicht sogar selbst zu dieser Spezies?
Viele Menschen können gar nicht mehr abschalten, weil sie im Innern eine unbestimmte, aber latent vorhandene Anspannung oder sogar Angst verspüren, etwas zu verpassen. Selbst in der Freizeit drehen sich die Gedanken um irgendwelche Informationen, die man erhalten oder verpasst zu haben meint. Vorm Schlafengehen lieber doch noch mal die E-Mails checken. Facebook läuft eh immer nebenbei.
Nervosität, Überforderung, fehlende Entspannung, körperlicher, finanzieller und damit verbunden oft auch seelischer Druck sind die Folge. Jeder dritte Deutsche steht unter Dauerstrom. Stress bestimmt zunehmend den Alltag. Folgen wie Schlafstörungen, daraus resultierend Schlafmangel, bis hin zum Herzinfarkt sind oft die Folgen dieses Dauerdrucks.
Bei der Aufzählung der eben aufgeführten Symptomen fällt einem sofort der Begriff “Burnout” ein. Laut einer repräsentativen Studie der Techniker-Krankenkasse (TK) leidet ein Drittel der Beschäftigten darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden. Diese moderne Form der Überforderung trifft nicht zufällig vor allem Leute, die sehr selbstständig arbeiten, ihre Ressourcen und damit ihre Zeit und Kraft selbst einteilen können bzw. müssen.
Es ist schon bezeichnend, dass mittlerweile große Unternehmen wie z. B. Volkswagen von sich aus damit begonnen haben, ihren Mitarbeitern nach Feierabend keine E-Mails mehr zukommen zu lassen. Die Personalchefin von Siemens hat in einem einem Gespräch mit dem KarriereSPIEGEL zum Thema Burnout geäußert: „Die Mitarbeiter wollen auch selbst zuviel“. Niemand verlange eine Präsenz rund um die Uhr von ihnen, doch scheine es ihr oft, dass die Menschen Angst hätten, etwas zu versäumen und deshalb ständig auf ihr Telefon starrten.
Bei Arbeitnehmern ist es meist auch gar nicht der Chef, der die Mitarbeiter unter Druck setzt. Das machen die schon selbst. Früher gab es eine starre Hierarchie von oben nach unten, heute aber wird immer mehr in Teams gearbeitet. Das bewirkt einen ganz anderen Konkurrenzdruck: (Ständig) dabeisein ist alles! Wer nicht immer alles fürs Team tut, wird als unmotiviert, nicht teamfähig oder gar faul abgestempelt: “Was, Du hast meine (ellenlange) Mail von gestern Abend noch nicht gelesen?”
Ist man sein eigener Chef, ist es aber auch nicht anders. Auch hier meldet sich ständig das “schlechte Gewissen” nicht genug getan zu haben für den eigenen Erfolg: “Die anderen arbeiten bestimmt noch viel härter als ich!” Einige tun dies vielleicht, aber wie lange (noch)?
Wie kommt man heraus aus dieser Info-Falle? Nächste Lektion![/DAP]