Modul 10 von 18
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Das Glück des Tüchtigeren?

[DAP hasAccessTo=”3,9″ errMsgTemplate=”SHORT”]Die letzte Lektion unserer kleinen Erfolgsserie endete mit meiner Behauptung, man könne aus Stroh Gold machen, wenn man sich selbst, seine Persönlichkeit, seinen Charakter einbringt und so einen individuellen, unverwechselbaren Onlineauftritt gestaltet.

Doch die Realität auf deutschen Computerbildschirmen sieht anders, langweiliger und grauer aus. Man findet nicht oft Shops, wo man auf den ersten Blick erkennt, dass hier der Shopbetreiber mit dem Herzen dabei ist, eigene Ideen und Vorstellungen hat. Auch wenn es sich nicht um Franchise-Shops, Mietshops oder Dropshipping-Shops handelt, sehen viele, zu viele Shop in der gleichen Branche auch gleich aus. Hier mal ein persönlicher Begrüßungstext, dort vielleicht sogar ein Foto des Betreibers, ansonsten, bis aufs Impressum, alles zum Verwechseln ähnlich langweilig. Und wenn es doch einmal einen Ausreißer gibt, dann nach unten. Die Sprüche werden billiger, die Reklame umso größer.

Nur nicht schlechter sein!

Warum ist das so? Ich glaube, weil viele Onlinehändler das Risiko scheuen. Lieber alles genau so (schlecht) machen, wie die Konkurrenz, dann sind sie eben auch nicht schlechter als diese. Das ist so eine Art Sicherheitsdenken: “Das, was ich nicht mache, die eigene Idee, die ich nicht umsetze, das Risiko, dass ich nicht eingehe, kann auch nicht schiefgehen. Sicher ist sicher! Und die Anderen haben ja auch Erfolg, sagen sie zumindest”.

Mal ganz ehrlich: Glauben Sie, dass auch wirklich erfolgreiche Unternehmer so denken? Im letzten Teil sprachen wir bereits von Bill Gates, Marc Zuckerberg und Co. Wir konnten sehen, dass auch diese Erfolgs-Giganten auch nur bestehende Ideen aufgegriffen und weiterentwickelt haben. Auch die haben das Rad nicht neu erfunden! Die haben nichts wirklich Neues gemacht, aber einiges anders.

Und hier begegnet uns die erste Erfolgsvoraussetzung: Etwas machen! In der Geschichte lassen sich viele Beispiele finden, dass Erfinder von wirklich tollen Dingen bettelarm starben und andere manchmal zwar nicht den Ruhm aber meistens den Reichtum ernteten. Da stellt sich automatisch die Frage, warum wurden aber gerade diese Leute und nicht die eigentlichen Erfinder so unglaublich erfolgreich? Diese hatten doch die gleichen Chancen und dazu noch viel eher?

Einerseits kann man sagen, jede Idee hat ihre Zeit. Fast immer ist es aber nicht der pure zeitliche Zufall. Die meisten erfolgreiche Gründer würden wohl auch zu anderen Zeiten oder mit anderen Produkten erfolgreich werden. Es liegt nicht an einer glücklichen Zufallskonstellation, warum einige Menschen erfolgreich werden und andere nicht. Es gibt Voraussetzungen, Bedingungen und Eigenschaften, die erfolgreiche Menschen haben und weniger erfolgreiche nicht oder nicht in ausreichender Menge.

Glück ist kein Erfolg!

In einer früheren Lektion hatte ich bereits entscheidende Unternehmereigenschaften, wie Disziplin, Motivation, Lernbereitschaft, Mut zum Risiko, usw. beschrieben. Jetzt wollen wir das ein wenig vertiefen. Diese Eigenschaften sind Ausdruck und auch Teil von etwas Anderem: der Einstellung. Alle diese Eigenschaften bedingen die richtige Einstellung zu einer Sache! Hat man die richtige Einstellung zu einer Sache, sei es Geld, sei es Erfolg, sei es Arbeit oder gar das Leben selbst, wird diese Sache mit größter Wahrscheinlichkeit gelingen. Und genau so gilt der Umkehrschluss: Hat man nicht die richtige Einstellung zu einer Sache, wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit eben nicht gelingen.

Es sei denn, man hat das bereits erwähnte Glück. Dieses wiederum hat allerdings die Eigenschaft, durchaus kurzlebig und flüchtig zu sein und ist deshalb keine gute Grundlage für einen langfristigen, dauerhaften Erfolg. Eher das Gegenteil: schneller, unerwarteter Erfolg, gerade in der Anfangsphase, führt bei manchen Menschen zur Selbstüberschätzung und viele übersehen dabei, dass es gar nicht ihre „angeborenen, hervorragenden, einzigartigen, unternehmerischen Naturtalente“ waren, die den schnellen Erfolg bewirkt haben, sondern einfach das Glück mit der richtigen Geschäftsidee, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Je höher die Selbstüberschätzung, desto geringer die Kritikfähigkeit.

Mit dem Wissen um die Geheimnisse echten, langfristigen Erfolgs wäre es jenen vielleicht gelungen eine halbwegs objektive Analyse der Ursachen des plötzlichen Erfolges durchzuführen und ihnen wäre aufgefallen, dass dabei eben auch eine Menge Glück mit im Spiel gewesen ist. Mit dem Wissen um diese glücklichen Umstände hätten sie ihre weiteren Planungen vielleicht nicht nur im Vertrauen auf die ja jetzt eindeutig bewiesene, eigene Unfehlbarkeit aufgebaut, sondern auf Daten, Zahlen, Fakten und einem gesunden Risikobewusstsein. Statt „rosaroter Brille“, Analystenblick. Statt „auf zu neuen Umsatzweltrekorden“, Konsolidierung des Erfolges und gesundes, nachhaltiges, mental wie organisatorisch verkraftbares Wachstum. So mancher wäre vor der neuen, plötzlichen, unerwarteten Erfahrung einer krachenden Pleite bewahrt worden.

Für die einen ist dies ein durchaus heilsames Erlebnis und sie gehen an die nächsten Projekte wieder mit einem guten Maß Realitätssinn, Verstand und Demut heran. Für die anderen waren einfach „die Anderen“ schuld, weil sie immer noch nicht bereit sind, sich eigene Schwächen einzugestehen, zu lernen und damit langfristig erfolgreich zu werden. Nicht nur „erfolgreich werden“, will gelernt sein, sondern auch „erfolgreich sein“.

Das Letztere ist umso schwieriger, je einfacher Ersteres gewesen ist. Deshalb grämen Sie sich nicht, wen bei Ihnen der Erfolg etwas langsamer kommt. Umso dankbarer werden Sie später dafür sein und umso besser werden Sie damit umgehen, denn, worauf man lange hinarbeitet, hat später mehr Wert und wird nicht so leicht wieder aufs Spiel gesetzt. Dann sind Sie immer noch erfolgreich, wenn so manche in der Anfangseuphorie gegründete Aktiengesellschaft schon längst wieder abgewickelt ist.

Auch erfolgreich sein, will gelernt sein!

Wie man richtig mit unerwartetem Erfolg umgeht, ist auch abhängig von der besagten Einstellung zum Unternehmerjob. Mal ganz ehrlich, egal wie sympathisch man Bill Gates oder Steve Jobs finden mag: Haben Sie von denen schon einmal so richtig großspurige Angebersprüche in der Art von: „Wir halten uns ab jetzt für die grandiosesten Internet-Unternehmer!“ gehört? Haben Marc Zuckerberg oder die Google-Twins schon jemals gesagt: „Wir sind die größten Internet-Marketer, die die Welt je gesehen hat!“? Vielleicht im kleinen Kreis nach ein paar Bier zu viel, aber sie würden dies nie in aller Öffentlichkeit in einer offiziellen Facebook- oder Google-Marketing-Kampagne herausposaunen.

Was haben diese stattdessen gemacht, als sie vom ersten Erfolg überrollt wurden und sich solche Sprüche hätten leisten können? Sie haben gesagt, sie wollen noch besser, noch größer, noch erfolgreicher werden. Sie wollten den langfristigen Erfolg und wussten, dass sie zwar auf dem Weg dahin waren, aber noch lange nicht am Ziel. Ich will dies nicht gleich Demut oder Bescheidenheit nennen, aber sie hatten den objektiven Blick, ihren Realitätssinn nicht verloren, sondern waren sich bewusst, dass sie auch Glück hatten und sie ihren Erfolg mit noch mehr harter Arbeit erst noch festigen mussten, um ihn dauerhaft werden zu lassen. Sie sind eben nicht „abgehoben“, wie man so schön sagt, sondern haben ihre Firmen weiter konsolidiert und ausgebaut. Nachdem sie erfolgreich wurden, haben sie alles getan um erfolgreich zu bleiben. Auch das ist eine unternehmerische Einstellung, eine Tugend: „Bleib auf dem Boden der Tatsachen!“[/DAP]