#77 – Die unterschätzte Gefahr: Wenn der KI-Chatbot Dich ignoriert

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Die Zahlen variieren, aber nach nicht einmal 3 Jahren kommt ChatGPT schon auf durchschnittlich zwischen 520 – 800 Millionen Nutzer monatlich. Tendenz weiter stark steigend. Zwar generiert ChatGPT bisher nur rund 3,5 Prozent der Suchanfragen bei Google, aber auch das sind mehrere hundert Millionen Suchanfragen pro Tag! Tendenz auch hier stark steigend.

Bereits heute sind 60 Prozent der Suchanfragen “Zero Click Searches”. 

“Null-Klick-Suchen” sind Suchanfragen, bei denen Nutzer keinen (also “null”) der angezeigten Links zu externen Webseiten anklicken. Ein Grund ist, dass Google immer mehr versucht, den Suchenden so schnell wie möglich ein Ergebnis zu liefern (Google-AI-Overviews) und immer mehr Nutzer gleich ganz auf KI-Chatbots vertrauen, wenn sie im Internet etwas suchen, weil diese Art zu suchen viel komfortabler ist als sich selbst durch nervige Linklisten zu wühlen.  

Schon nächstes Jahr, so schätzen Experten, wird das Suchvolumen bei klassischen Suchmaschinen um 25 – 40 Prozent einbrechen.

Für Webseiten, deren Besucher vorwiegend über die organische Google-Suche kommen, kann das schnell existenzgefährdend werden. Was bis vor ein paar Tagen noch der Sechser im Marketing-Lotto war, Besucher, die einem ganz von alleine oder mit ein bisschen SEO die digitale Bude einrennen, kann sich in ein wahres Desaster verwandeln, wenn diese plötzlich einfach ausbleiben.

Hier baut sich, noch fast unmerklich, ein riesiges Problem für uns Menschen und Unternehmen auf, die im Internet gefunden werden wollen – und müssen. 

Unsichtbarkeit im Internet

Die neue Art der Suche

In der klassischen Google-Suche (und auch bei Bing und Co.) haben wir jahrzehntelang mithilfe von Keywörter oder kurzen Textschnipseln versucht relevante Informationsquellen zu finden. Das Ergebnis war eine mal mehr, mal weniger überzeugende Linkliste.

Doch die Art, wie gesucht wird, wie also Suchanfragen gestellt werden, verändert sich gerade grundlegend. Suchanfragen werden deutlich länger, detaillierter und kreativer. Das macht sie automatisch vielfältiger. Solche langen Texte in traditionelle Suchkategorien einzuordnen oder gar auf einzelne Keywords herunterzubrechen, ist nur schwer möglich. Das macht die Suchmaschinen-Optimierung nicht einfacher.

Bei ChatGPT und anderen KI-Chatbots suchen wir im Kern zwar meist auch noch nach Informationen, aber mit einer komplett anderen, viel höheren Erwartung! Wir stellen immer komplexere Fragen (Prompts) mit möglichst genauen Angaben dazu, wie wir das möglichst kreative Ergebnis geliefert bekommen möchten. Das können ein lockeres Gespräch, ein kurzer Text, ein langer Text, eine Zusammenfassung, eine Ausarbeitung, ein Dokument, ein Programmiercode, ein Bild, ein Video, Noten oder gleich ein einzigartiges Musikstück sein. Und wenn wir nicht zufrieden sind, sagen wir dem Chatbot unsere Meinung, der bessert nach, so lange bis wir zufrieden sind – und merkt sich unsere Kritik sogar für das nächste Mal.

Aber das Wichtigste ist: Wir haben absolut keine Ahnung, woher die Informationen stammen, aus denen der Chatbot das Ergebnis konstruiert. Wen interessierts, Hauptsache wir haben bekommen, was wir wollten. Das führt manchmal noch zu ziemlich kruden Ergebnissen, wenn der Chatbot mal wieder anfängt zu halluzinieren, man kann ihm noch nicht alles glauben, aber auch hier ist in den letzten Monaten eine erstaunliche Verbesserung zu bemerken. Mit jeder Version werden die Antworten seriöser.

Die guten alten Zeiten

Unternehmen haben Unsummen für SEO-Agenturen ausgegeben, um an die Google-Spitze zu klettern und noch mehr, um möglichst lange dort zu verweilen. Die Marketing-Verantwortlichen haben gezittert vor jedem Update des Algorithmus, weil man von einer Sekunde auf die andere vom mühsam SEO-optimierten Platz an der Sonne auf irgendeine hintere Seite katapultiert werden und so seinen kompletten Traffic verlieren konnte.

Es gibt (noch) kein Google-Analytics für KI-Chats. Man kann vielleicht erfassen, dass ein KI-Bot die eigene Webseite besucht hat, man kann ihn auch daran hindern, aber, was genau er dort getan, gesucht, vielleicht gefunden hat und ob, und wenn ja, wem eventuell gefundene Informationen ein welcher Form auch immer präsentiert wurden, bleibt unergründlich.

Ein KI-Bot zerlegt Informationen im Internet in kleine Datenschnipsel, die dann für die Antwort, aufgrund von Algorithmen, aber im Grunde nach der höchsten Wahrscheinlichkeit, wie sie in der Vergangenheit aneinandergereiht waren, wieder zusammensetzt. Ein KI-Bot denkt (noch) nicht, er konstruiert Wahrscheinlichkeiten, aber aufgrund der unglaublichen Menge an Trainingsdaten, immer besser. KI-Bots trainieren sich auch selbst, indem sie analysieren, wie zufrieden wir mit den Ergebnissen waren.

Die Zukunft beginnt jetzt

Das war 2023 der Stand der Dinge, als ChatGPT auf den Markt kam und ist es noch heute, wenn man die Basisversion von ChatGPT nutzt. Allerdings stellte sich auch schnell heraus, dass man allein mit Jahre alten und oft genug völlig veralteten Trainingsdaten nicht so richtig glaubwürdig werden würde.

 

Achtung: Aktuell deutet vieles darauf hin, dass auch ChatGPT mittlerweile die Google-Suchmaschine als Basis benutzt. Wenn das der Fall ist, wird die Suchmaschinenoptimierung für Google noch viel wichtiger.

ChatGPT

Google

Aktuell ist vor allem aber Google AI-Überviews für den Rückgang des Traffics auf vielen Webseiten verantwortlich. Laut einer Marketing-Agentur sollen bereits 60 Prozent der Suchanfragen enden, ohne dass überhaupt eine externe Webseite aufgerufen wird.

Bis auf die kurzen Google-AI-Overviews simulieren alle Varianten dabei eine Art Gespräch mit dem Nutzer, führen so durch die Recherche, fragen nach und geben Anregungen für die weitere Suche. Und immer mehr Internetnutzer werden in Zukunft diese viel komfortablere Möglichkeit im Web nach Informationen und/oder Anbietern zu suchen, bevorzugen. Das macht ja auch Sinn: Anstatt sich selbst diverse Linklisten zu durchforsten, um auf irgendeiner Unterseite vielleicht die passende Antwort zu finden, dann aber für weitere Informationen eine neue Suche starten zu müssen, unterhält man sich mit dem Chatbot wie mit einem guten Kumpel oder der besten Freundin. Nur, wie kriegen die das so gut hin?

Wie erstellen KI-Chats mit Hilfe von Suchmaschinen ihre Antworten?

So funktioniert die Auswahl von KI-Inhalten

Bei den Google AI-Overviews funktioniert es ein wenig anders. Diese Funktion wird automatisch durch bestimmte Formen der klassischen Suchanfragen ausgelöst. Meist die üblichen W-Fragen (Was, Wie, Wer, Wann, Welches, etc.)

Die einzige Möglichkeit

Es nützt alles nichts: In Zukunft muss man, wenn man im Internet gefunden werden will, ohne viel Geld für Werbung ausgeben zu müssen, irgendwie in den KI-Ergebnissen auftauchen, mindestens als Verlinkung, besser natürlich noch mit Rang und Namen.

Also ist die gute alte Suchmaschinen-Optimierung (SEO) doch noch nicht vom Tisch? Nein, aber man muss seine Webseite jetzt ein wenig anders optimieren. In Zukunft muss man versuchen, mit seiner Webseite für ein Thema möglichst relevant zu sein, um auf der Trefferliste zu landen und es dem  KI-Bot gleichzeitig möglichst einfach zu machen, die gewünschten Antworten-Bausteine zu finden.

1. Bewertung: Relevanz für die Trefferliste

2. Bewertung: Gut strukturierte Inhalte für den KI-Bot

Wie optimiert man eine Webseite für KI-Bots?

Wie schon gesagt: Das Ziel ist die einfache “Zitierbarkeit” für KI-Bots. Das bedeutet:

  • klare und eindeutige,
  • leicht verständliche,
  • einfach aufgebaute,
  • aktuelle
  • und werthaltige Aussagen

in gut strukturierten Texten:

  • Ein Gedanke pro Textblock (ein Textblock muss auch allein Sinn ergeben)
  • Zwischenüberschriften in Frageform (die wichtigen W-Fragen! siehe oben)
  • prägnante Zusammenfassungen am Textanfang
  • Listen, Tabellen, FAQs, Produktdaten

auf einer gut strukturierten Webseite:

  • ein Thema, ein Text
  • Haupt- und Unterseiten, um zu lange Texte zu vermeiden
  • themenrelevante Inhalte intern gut vernetzen (verlinken)
  • möglichst geringe Ladezeiten
  • HTML statt Javascript
  • und natürlich darf der KI-Bot-Besucher nicht blockiert werden (robots.txt)

Fazit:

Durch die immer mehr zunehmende Nutzung von KI-Chats zur Suche und die gleichzeitige Vernetzung von KI und klassischer Suche, ändert sich das Nutzerverhalten im Internet rasant. Viele Nutzer geben sich mit den Informationen aus den Chat-”Gesprächen” zufrieden und klicken gar nicht erst auf einen Link. Das führt dazu, dass immer weniger Nutzer überhaupt auf eine externe Webseite gelangen. Das kann schon in naher Zukunft zu einem drastischen Rückgang der Besucherzahlen und damit meist auch der Umsätze von Webseitenbetreibern führen.

Will man auch in Zukunft Besucher auf seine Webseite bekommen, ohne viel Geld in Werbung zu investieren – was übrigens auch noch einmal deutlich teurer werden dürfte, wenn immer mehr Internet-Unternehmer darauf angewiesen sind – sollte man so schnell wie möglich in die KI-Suchmaschinenoptimierung seiner Webseite investieren. Jetzt hat man noch die Chance, ganz vorn dabei zu sein und sich eine Platz ganz vorn im KI-Ranking zu sichern.

Man wird zwar auch so nicht die Besucherzahlen der Vergangenheit erreichen, aber es hat auch einen deutlichen Vorteil: Besucher, die über KI-Links auf eine Webseite kommen, sind wertvoller als die klassischen Besucher. Sie interagieren (Klicken, Kaufen, etc.) viel häufiger mit der Webseite, weil sie schon viel informierter auf die Seite kommen.

Übrigens: Analysten wollen herausgefunden haben, dass, wenn man auf seiner Webseite zwar einen Rückgang der Besucherzahlen aber gleichzeitig einen deutlichen Anstieg der Verweildauer der übriggebliebenen Nutzer feststellt, könnte dies darauf hindeuten, dass die wenigen Besucher über eine KI-Suche gekommen sind.

Sandra Christiansen

Sandra Christiansen

Dipl. Multimedia Producer, ist Expertin für Online-Marketing mit über 20 Jahren Erfahrung und Gründerin der InternetUnternehmerAkademie, die sich in 15 Jahren zu einem der größten Schulungs-Portale für Online-Marketing, Website-Erstellung und digitale Angebote entwickelt hat. Getreu ihrem Motto "Mit dem richtigen Wissen und Duchhaltevermögen ist Erfolg im Online-Business für jeden möglich!" liebt sie es, andere Unternehmer:innen beim Aufbau ihres profitablen Internet-Unternehmens mit den richtigen Tools und Strategien zu unterstützen.

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