#10 | Verschwende ich wirklich so viel Zeit?

Nach dem ich mich in den letzten Wochen um einige persönliche Dinge kümmern musste, kann ich mich jetzt wieder voll aufs Geschäft konzentrieren. Höchste Zeit also, mal wieder einen Spotlight-Newsletter zu schreiben. Ich habe schon ein richtig schlechtes Gewissen! :-)

Das hatte ich auch schon die ganze Zeit als ich mich nicht so um mein Business kümmern konnte, wie gewohnt. Und ich war absolut überzeugt, dass sich ein wahrer Berg an Aufgaben angesammelt hatte, den ich unmöglich in ein paar Tagen abarbeiten könnte. Das würde Wochen dauern, dachte ich. Aber das stimmte nicht. Ich schätze mal, ich habe in den stressigen Wochen trotzdem 90% der Aufgaben erledigt und das in nur 10% der üblichen Zeit.

Moment mal: Kann es wirklich sein, dass ich normalerweise 90% der Zeit „vergeude“ für nur 10% der noch nicht einmal wirklich wichtigen Aufgaben? Und wie effektiv könnte ich wohl arbeiten, wenn ich mich immer nur auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriere? Wie viel mehr könnte ich schaffen?

Wenn man bedenkt, dass für uns Selbstständige und Freiberufler das Thema Zeit eigentlich immer eine wesentliche Rolle spielt! Nie haben wir wirklich genug davon um alle Tagesaufgaben – in einem „normalen“ Arbeitstag – zu erledigen. Arbeiten am Abend und am Wochenende sind der Normalfall. Und immer bleibt etwas unerledigt.

Wo hatte ich nur die ganze Zeit eingespart bzw. verschwendet, wenn man es anders herum sieht? Ich habe das mal für mich analysiert. Das Zeitsparen fing schon morgens an:

Kennen Sie das auch? Man hat immer ein ungutes Gefühl, wenn man nicht wirklich ALLE Mails, Newsletter oder Posts liest. Man könnte ja etwas wichtiges verpassen. Komischerweise hatte ich das Gefühl in den letzten stressigen Wochen gar nicht. Ich war sogar froh die meisten “Informationen” links liegen lassen zu können. E-Mails von Kunden, Partnern und Teamkollegen – das wars schon. Das kostete mich inklusive Beantwortung vielleicht eine halbe Stunde am Tag. Den ganzen Info-Rest habe ich mir für später (bzw. wahrscheinlich eher den St.Nimmerleinstag) aufgehoben.

Normalerweise schließt sich an das E-Mail-, Newsletter- oder Facebook-Post-Studium ein ganzer Rattenschwanz an: Hier einen Blogartikel lesen, dort ein Video schauen – und das ganze auf den möglichen Nutzen hin bewerten, verwerten und archivieren. Oder sich schon mal Stichpunkte machen für später. Man kommt vom hundertsten ins Tausendste – schon ist der Vormittag weg und man hat noch nichts wirklich produktives geschafft.

Tagsüber hatte ich in der letzten Zeit maximal eine Stunde am Stück für konzentriertes Arbeiten – und ich habe trotzdem alles Wesentliche abgearbeitet. Gut, einige Dinge sind zu kurz gekommen oder ganz auf der Strecke geblieben aber es ist nicht so, dass sich in den letzten Wochen Riesenberge an unerledigten Aufgaben aufgetürmt hätten. Wenn ich so zurückblicke, muss ich staunen, wie effektiv ich war.

Wie war das möglich? Ich glaube, weil ich gezwungen war, mich auf die wirklich wesentlichen Dinge meines Geschäftes zu konzentrieren! Ich habe aus der Zeitnot heraus ganz konsequent nur die Aufgaben erledigt, die unbedingt nötig waren.

Dadurch, dass ich morgens die meisten Newsletter und Facebook-Posts ignoriert habe, kam ich auch nicht mehr in den oben beschriebenen Sammel-Modus. So konnten nicht irgendwelche nebensächliche Informationen einen (eigentlich gar nicht vorhandenen) Bedarf wecken. Niemand redete mir ein:

“Hier, ich habe wirklich wichtige Informationen für Dich!”
“Wussten Sie schon, dass …!”,
“Haben Sie schon einmal gehört von …!”
“Das müssen Sie wissen, ausprobieren, testen, lesen …”,
“.. dürfen Sie nicht verpassen, ignorieren oder sich entgehen lassen!”

Oh doch, darf ich! Klar, auch ich brauche für die tägliche Arbeit eine Menge Informationen und muss immer auf dem aktuellen Stand sein, sonst könnte ich meinen Kunden ja auch nicht die nötigen Informationen geben. Habe ich so nicht doch vielleicht wichtige Informationen verpasst?

Der Bedarf bestimmt die Information, nicht umgekehrt!

Die Informationen haben nicht mehr mich gefunden (Newsletter, Facebook-Posts, etc.) sondern ich habe gezielt nach benötigten Informationen gesucht! Und zwar nur nach denen, die ich in diesem Moment auch wirklich brauchte. Aber ich fühle mich trotzdem nicht uninformiert. Ich hatte zu jeder Zeit genau die Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt benötigte.

Das Internet ist ein gigantischer Wissensspeicher. Alle, aber auch wirklich alle Informationen, die man braucht, sind dort zu finden. Man muss nur zielgerichtet und fokussiert danach suchen. (Die Spreu vom Weizen trennen!) Keine Ablenkungen, kein Abschweifen, bis man gefunden hat, was man sucht.

Aber bevor Sie sich jetzt von allen Newslettern abmelden und Ihren Facebook-Account löschen :-) : Nicht alle Newsletter oder Facebook-Posts sind reine Zeitverschwendung. Bei einigen ist es das genaue Gegenteil! Gute Newsletter helfen einem Zeit und Geld zu sparen.

Ein gutes Beispiel sind Newsletter zum Thema Onlinerecht. Ich kann unmöglich jeden Tag das Internet durchsuchen nach neuen Urteilen zum Thema DSGVO. Das würde einerseits mein Zeitbudget sprengen und andererseits bin ich rein fachlich gar nicht in der Lage juristische Feinheiten in solchen Urteilen zu erkennen oder auszulegen. Aber etwas verpassen darf ich bei dem Thema auch nicht. Das kann schnell an meinen Geldbeutel gehen und an den der Kunden, die ich möglicherweise falsch berate, weil ich ein aktuelles Urteil – und vor allem, dessen mögliche Folgen für uns Internet-Unternehmer – nicht kenne. Genau hier helfen mir einschlägig versierte Anwälte mit ihren Newslettern.

Aber auch andere Newsletter mit aktuelle Informationen und Tipps von Spezialisten (WordPress, Social Media, Neuro-Marketing, usw.), die meine Wissenslücken effektiv füllen – und mir Zeit und Geld sparen – sind wichtig. Diese Informationen analysiere ich, überlege mir, welche Auswirkungen es auf unser Business hat und gebe sie an meine Kunden weiter – auch hier im Spotlight-Newsletter. Meine Kunden und Leser wiederum können sich so auf ihr eigenes Business konzentrieren, ohne sich ständig Gedanken machen zu müssen, ob sie etwas wirklich Wichtiges zum Thema Online-Marketing verpassen.

In den nächsten Wochen werden wir uns im Team wieder ganz auf den Relaunch der InternetUnternehmerAkademie konzentrieren. Diesen haben wir, den Umständen geschuldet, um drei Wochen auf Mitte Dezember verschieben müssen. Das tut uns leid, weil wir wissen, dass viele schon gespannt darauf warten aber besser ein wenig später und gut als überhastet und halbfertig.